Curriculum sportivae

Wenn man im Alpenvorland lebt, dann gehört Sport einfach dazu. Das fängt schon an, wenn man noch ein kleiner Bub ist. Auch meine Liebe zum Sport begann in frühester Kindheit. Und natürlich hatten auch die Berge etwas damit zu tun. Nachdem ich im Winter immer als Möchtegern-Wasmeier die verschneiten Hänge hinunterfetzte, kam ich auf Umwegen auch mit dem Langlauf-Sport in Berührung.

Beim Ski-Club Moohsam machte ich 1994 meine ersten Versuche auf den schmalen Brettern. Das Gefiel mir direkt so gut, dass ich direkt meine ersten Wettkämpfe bestrtt. Rennen fahren – das war schon immer meins. Auch beim Ski-Fahren als Kleinkind wollte ich es immer mit den Eltern aufnehmen. Beim Langlaufen hatte ich dann erstmals gleichaltrige Konkurrenten. Im ersten Jahr wurde ich bei den Mooshammern Vize-Vereinsmeister in meiner Altersklasse, Schüler U9.

Erste Erfolge

Bis zu meinem ersten Sieg musste ich allerdings noch auf das nächste Jahr warten. Nachdem ich Dritter bei den Oberbayerischen meisterschaften wurde, gewann ich 1995 den Raiffeisen-Cup, eine prestigeträchtige Rennserie aller Langlaufwettbewerbe im Oberland. Diese Leistung konnte ich mit zwei dritten Plätzen in den folgenden Jahren bestätigen, bevor mangelns Interesse die Formkurve nach unten zeigte. 1998 holte ich bei meinem letzten Rennen noch einmal einen dritten Platz – danach ließ ich die Ski im Keller stehen.

Wie jeder Gleichaltrige in der Gegend wollte ich irgendwann Fußballer werden. Schon 1996 hatte ich damit begonnen: In der E-Jugend-Mannschaft des SC Deining spielte ich den Ausputzer in der Abwehr. Der technisch überragende Kicker war ich mangelns Talent aber leider nie – und werde es auch nicht mehr werden. Das war wohl auch der Grund, wieso man mich nur selten auf meinen Lieblingspositionen (Sturm und offensives Mittelfeld) spielen ließ. Kein Wunder, dass ich es in drei Spielzeiten gerade einmal vier Tore erzielte. 1999 rückte ich in die D-Jugend vor. Leider wurde diese nicht mehr in Deining angeboten, so dass ich von da an nur noch privat am Fußballplatz unterwegs war.

Es begannen eine unsportliche Zeit. Zwar nahm ich 1999 noch einmal an zwei Laufwettbewerben über die Mitteldistanzen 800 und 1.500 Meter teil und schnitt dort mit einem vierten und einem zweiten Platz auch sofort gut ab, allerdings verbrachte ich meine Zeit dann doch lieber vor dem Computer. Daraus resultierte übrigens ein Deutscher-Meister-Titel im PC-Spiel Cycling Manager 2. Naja – ich “gammelte” so vor mich hin, bis ich 15 war. Eine Fußverletzung und die folgende Physiotherapie brachte mich zurück zum Sport: Mir wurde zur Genesung “etwas Radlfahren” empholen.

Die Radsport-Sucht beginnt

Aus diesem Grund begann ich im Sommer 2002 mit dem Mountainbike meine Runden zu ziehen. Die gleichzeitig stattfindende Tour de France steigerte meine Lust noch mehr und ich entdeckte meinen Spaß an dieser Sportart. Ende des Sommers unternahm ich die ersten Fahrten auf dem früheren Rennrad meiner Mutter.

Auch der Winter trieb mir die Lust am Rennradeln nicht aus dem Kopf und im Frühjahr stieg ich schon an den ersten warmen Tagen auf mein Bike und jagte die umliegenden Berge hinauf. Sehr bald wollte ich mich auch mit anderen Fahrern messen und richtige Wettkämpfe bestreiten. Und so kam es, dass ich am 25. Juni 2003 beim Einzelzeitfahren Gelting-Hofstädt des RSC Isartal Wolfratshausen am Start stand. Ich belegte zwar einen abgeschlagen den 32. Platz von 34 Startern, aber dennoch machte mir das ganze sehr viel Spaß. Im nächsten Rennen konnte ich gleich Wolfratshauser Stadtmeister meiner Altersklasse U17 werden und nach dem Bergzeitfahren am Hohen Peißenberg trat ich dem RSC Isartal Wolfratshausen bei. Im Sommer befuhr ich mit dem Jauffenpass auch das erste Mal eine hohe Gebirgsstraße. Im Herbst wurde ich RSCI-Jugend-Bergmeister. Dennoch war ich noch lange nicht fähig, mit den anderen mitzuhalten.

Die Saison 2004 begann ich dort, wo ich 2003 aufgehört hatte. Ich trainierte etwas mehr und bald konnte ich auch einmal mit Platzierungen im Mittelfeld aufwarten. Vor allem bei Bergzeitfahren wurde ich besser. Je länger die Saison andauerte, desto schnellerwurde ich und im Herbst war ich auch bei den flachen Einzelzeitfahren konkurrenzfähig, was der Sieg bei der Ickinger Meisterschaft in meiner Altersklasse untermalte. Ein weiterer Erfolg war der Sieg beim Isartal-Kriterium in der Hobbyklasse, welches ich im Sprint gewinnen konnte.

Erfolge als Hobby-Fahrer

Im Winter 2004/2005 machte ich zum ersten Mal Rollentraining und konnte so schon auf einem etwas höheren Niveau die Saison beginnen. In das Rennjahr 2005 stieg ich direkt mit einem Sieg ein. Ich wurde Bayerischer Meister der Junioren in der Hobbyklasse. Auch bei den regionalen Rennen sammelte ich zahlreiche vordere Platzierungen und wurde ein mitlerweile ernstzunehmender Gegner. Gleichaltrigen Fahrern gelang es so gut wie nie, mich zu schlagen. Einen großen Anteil an meinem Leistungssprung hatte die hohe Anzahl von mehr als 30 Wettkämpfen, die ich in dieser Saison bestritt. Ein Konzept, das sich auch in den folgenden Jahren bewährte: Ein Training, sei es noch so hart, kann niemals die Intensität eines Wettkampfes ersetzen.

Ein besonderes Highlight in diesem Jahr war die T-Mobile Mountain Challenge, welche ich als Werbegag auf einem Bonanza-Rad bestritt. Bis heute werde ich auf diese Aktion angesprochen. Die Firma TriTop nahm aus Marketingzwecken auf solchen Rädern an Hobby-Veranstaltungen teil. Zusammen mit einigen anderen Verrückten fuhr ich auf so einem 18 Kilogramm schweren Vehikel den Rettenbachferner, eine der schwersten Bergstraßen in den Alpen, hinauf. Überall jubelten uns die Zuschauer zu und als ich als erster Bonanza-Radler die Ziellinie (wohlgemerkt ohne abzusteigen!) überquerte, gratulierte sogar Tour-de-France-Etappensieger Marcel Wüst.

Ernsthaftes Training

Nach der großen Verbesserung im vorherigen Jahr wollte ich 2006 noch einmal einen gleichwertigen Leistungssprung machen. Die Trainingsbasis dafür wurde in zwei Traininglagern (Andalusien und Mallorca) gesetzt. Mit jedem Wettkampf kam ich besser in Schwung und ab Ende April gehörte ich zu den besten Startern bei den regionalen Zeitfahren. Im Mai finishte ich mein erstes Lizenzrennen in der C-Klasse und im Juli gewann ich meine ersten beiden Einzelzeitfahren und erzielte gute Resultate bei Bergrennen. Diese beiden Diziplinen kristallisierten sich langsam als meine Stärken heraus.

Geanu zum richtigen Zeitpunkt kam dann meine erste Rundfahrt: der Giro delle Dolomiti in Bozen, eine sechstägige Rundfahrt in den Dolomiten mit sechs Bergzeifahren und einer Gesamwertung am Ende. Insgesamt nahmen mehr als 900 Fahrer an dieser Veranstaltung teil. Ich konnte mich von Tag zu Tag steigern und am Ende sogar mit den Besten mithalten. Schließlich wurde meine Leistung mit dem 25. Gesamtrang belohnt. Der Giro gab mir nochmals einen Formschub: Eine Woche später gewann ich in drei Tagen drei Bergrennen. Beim Wallbergmoospokal distanzierte ich die regionalen Bergfahrer und am Küthai bei Innsbruck erzielte ich meinen ersten Erfolg im Ausland.

Nach diesen Resultaten hatte ich natürlich hohe Erwartungen bei der Bayerischen Meisterschaft im Einzelzeitfahren. Der dort erreichte 38. Platz war ernüchternd. Zwei Wochen nach dem Giro delle Dolomiti konnte ich leider meine Form nicht mehr bestätigen. Nach bereits 37 Wettkampftagen näherte sich meine Saison dem Ende. Zwar gewann ich im September noch einmal ein Einzelzeitfahren, allerdings war das Jahr auf Grund eines Sturzes ein paar Tage später vorzeitig vorbei.

International erfolgreich

Die Saison 2007 begann ich so früh wie nie: Mitte November. Ich trainierte zwar nicht viel in diesem Winter, aber dennoch genug, um im Trainingslager in Mallorca einigermaßen fit zu sein. Auf Grund einer blöden Erkältung wurde mehr ein Urlaub aus diesem Trainingslager. Darum war ich umso motivierter, als ich eine Woche später mit dem RC Concordia 86 München nach Süditalien in die Region Cilento fuhr. Dort spulten wir in zwei Wochen 1.200 Kilometer mit 20.000 Höhenmetern ab – ich machte nicht nur einen deutlichen Formsprung und gewann bei einem regionalen Bergzeitfahren Cronoscalata Perdifumo sogar mein erstes Saisonrennen.

Von nun an entwickelte sich die Saison gut. Sowohl bei meinem ersten Duathlon-Ausflug als auch bei sämtlichen regionalen Zeitfahren sammelte ich Podiumsplatzierungen. Einen kräftigen Formanstieg verzeichnete ich auch bei einer Rundfahrt im Salzkammergut. Hier steigerte ich mich von Tag zu Tag und bei einer Etappe konnte ich mir sogar mit einem 15 Kilometer langen Ausreißversuch eine vordere Platzierung erkämpfen.

Je länger die Saison andauerte desto mehr spürte ich, dass ich am Berg und bei Straßenrennen wesentlich konkurrenzfähiger geworden war. Am 1. Juli gewann ich vor 500 Zuschauern das 1. Starnberger Rundstreckenrennen in der C-Klasse und zwei Wochen später den Wallbergmoospokal. Bei der Wolfratshauser Stadtmeisterschaft war ich einer der stärksten im Feld, hatte aber taktisches Pech. Mit dieser guten Form ging in den Giro delle Dolomiti, meinem Saisonhöhepunkt.

Ich hatte mich auf den Giro ab Januar konzentriert und meinen Formaufbau möglichst so gestaltet, dass ich hier ein gutes Ergebnis erzielen kann. Der Traum von einer Top-Ten-Platzierung wurde absolut erfüllt und sogar noch übertroffen. Ab der ersten Etappe hielt ich im Spitzenfeld der besten Bergfahrer Südtirols mit und belegte am Ende nicht nur den 5. Gesamtrang sondern auch den Bronzeplatz in meiner Altersklasse. Diese Form konnte ich noch einige Zeit konservieren und eine Woche später belegte ich beim Bergrennen am Küthai in einem Feld der besten Bergfahrer ganz Österreichs den 11. Platz. Zwei Tage später gewann ich die T-Mobile Mountain Challenge. Beim anschließenden schweren Lizenzrennen in Empfingen holte ich fast eine Top-Ten-Platzierung. Danach zeigte die Formkurve allerdings nach unten. Auch Knieprobleme zwangen mich, vor allem im Training kürzer zu treten.

Im September machte das Knie immer noch große Probleme. Aus diesem Grund beschränkte ich mich nur noch auf die anstehenden Rennen und holte trotz geringer Form noch einige gute Platzierungen. Der 20. Platz bei der Bayerischen Meisterschaft im Einzelzeitfahren wurde aber vor allem durch den dritten Rang beim Internationalen BMW Team Time Trial, einem sehr bekannten Mannschaftszeitfahren in Münchn, getoppt. Nach insgesamt genau 50 Wettkämpfen beendete ich im Anschluss meine Saison 2007.

Seuchen-Jahr I

2008 begann ich motiviert wie nie. Im Winter hatte ich mit Radsport Carda, Magnesium Pur und Maxxis drei Sponsoren gewonnen. Ich hielt mich mit Krafttraining im Fitness-Studio und Lauf-Training fit – bereits im Dezember und Januar konnte ich gute Ergebnisse bei Lauf-Wettkämpfen erreichen. In beiden Monaten trainierte ich an die 50 Stunden. Auch im Februar war ich auf dem besten Weg, bis mich ein unglücklicher Trainingssturz bremste: Ich verletzte mich leicht an der Halswirbelsäule. Gleichzeitig beendete eine Virus-Infektion mit anschließender Nebenhöhlenentzündung meine Pläne, im Frühjahr erfolgreich zu sein. Als ich im April schließlich wieder mit dem Training beginnen konnte ging die Misere weiter: Meine Knieprobleme, mit denen ich mich bereits im letzten Herbst kämpfte, brachen wieder auf.

Diese Knieprobleme wurde ich im Prinzip das gesamt Jahr hindurch nicht mehr los. Zwar gab es immer wieder kurze Abschnitte, in denen ich schmerzfrei trainieren konnte, aber die Zeit reichte nie, um einigermaßen in Form zu kommen. Dennoch konnte ich bei eingien Rennen zumindest einen kleinen Teil meiner Form von 2007 aufblitzen lassen. Vor allem bei Einzelzeitfahren hatte ich trotz des wenigen Trainigns nicht viel an Leistung verloren. Nur 3.500 Rad-Kilometer brachte ich im gesamten Jahr zusammen. Im Zehn-Kilometer-Straßenlauf verbesserte ich meine persönliche Bestzeit auf 37:00 Minuten.

Aufwärtstrend oder Seuchen-Jahr II?

Nachdem im September meine Knieprobleme derart stark wurden, entschloss ich mich zu einer dreimonatigen Sportpause. Erste Anfang Januar stieg ich wieder ins Training ein – aber nicht auf dem Rad sondern auf Langlauf-Ski. Beim Ski-Langlauf wurde vor 14 Jahren eigentlich mein gesamtes sportliches Interesse geweckt. Bereits Mitte Januar nahm ich an meinen ersten Skating-Wettkämpfen teil. Meinen winterlichen Saisonhöhepunkt, den Engadin Skimarathon über 42,195 Kilometer, finishte ich in 2:09 Stunden und etablierte mich auf Anhieb in der Klasse Elite B.

Ende März setzte ich mich wieder auf mein Fahrrad. Gemeinsam mit Paralympics-Sieger Wolfgang Sacher sammelte ich viele Grundlagenkilometer. Bei den Bayerischen Meisterschaften Anfang Mai wollte ich das erste Mal seit langem wieder “einen raushauen”. Ich lag gut im Rennen, allerdings stürzte ich aufgrund eines Materialfehlers schwer. Ein Leistungstest Mitte Mai zeigte mir aber, dass ich auf einem guten Weg war. Das Ergebnis war besser als ein Test im Juni 2007 – mein bisher bestes Jahr. Mitte Juni war ich wieder fast bei alter Stärke. Bim 24-Stunden-Rennen im Olympiapark München, meinem ersten Ausflug in den Mountainbike-Bereich, wurde ich Zweiter. Gemeinsam mit den Team Nutridual gewann ich das Mannschaftszeitfahren in Rednitzhembach.

Für den Rest der Saison hatte ich zurecht große Ziele – die Form war wieder zurück. Doch ab mitte Juli war der Ofen aus. Kraftlos fühlte ich mich und müde. Die Ursache war bald geklärt: Pfeiffersches Drüsenfieber. Die Saison war gelaufen. Wieder ein Rückschlag, allerdings hat mir die erste Jahreshälfte gezeigt, dass doch noch “ein bisserl was geht”.