Gran Fondo Valli Bresciane
Ähnlich wie die Radmarathons im Alpenraum versprühen die italienischen Granfondos ein ganz besonderes Flair: Oft nehmen mehrere tausende Teilnehmer an den Veranstaltungen teil, die Strecken sind dabei äußerst spektakulär und dank dem warmen, italienischen Klima spielt meist auch das Wetter mit. Beim GF Valli Bresciane war letzteres zwar nicht der Fall, aber dennoch war das Rennen die weite Anfahrt nach Brescia durchaus wert.

Organisiert wurde die Teilnahme durch Bernd “Mr. Granfondo” Reindl, der beim RC Concordia 86 München jedes Jahr ein spezielles Wochenende für Granfondo-Liebhaber ins Leben ruft. So waren wir doch eine stattliche Gruppe von sieben Leute, die sich am Samstag Abend in Brescia traf. Das üppige Starterpaket mit Olivenöl und Spaghetti war schnell abgeholt und so blieb uns bei einem ausgedehnten Abendmahl genügend Zeit, um über die richtige Renntaktik zu philosophieren.

Das Profil des 149 Kilometer langenen Rennens hielt sechs Steigungen bereit, wobei allerdings keine besonders lang sein sollte. Da wir alle aus dem hintersten Startblock (Platz 2.000) losfahren mussten, war die Aufgabe natürlich klar: Im anfänglichen Flachstück und auf den ersten beiden Bergen möglichst viele Positionen gut machen und dann eine gescheite Gruppe finden. Das klappte bei mir auch recht gut und nach den ersten 50 Kilometern war ich nur noch von Fahrern mit “dreistelligen” Nummern umgeben.

Der dritte Anstieg nach Mura erwies sich dann als Scharfrichter des Rennens: Drei Kilometer mit einer Durchschnittssteigung von 15 Prozent galt es hier zu überwinden – urks! Nur mit einer 39/25-er-Übersetzung bestückt musste ich mich also hochwürgen. Der einsetzende Regen erschwerte die Fahrt nun zusätzlich, so dass sich die bis dato bestehenden Gruppen schnell in ihre Einzelfahrer auflösten – jeder kämpfte nun für sich.

Und das blieb auch auf den folgenden 50 Kilometern so: Die Straße entpuppte sich fortan nämlich als idyllische, aber für ein Rennen sehr schmale und holprige Angelegenheit. Da nun sowieso jeder alleine unterwegs war, hielt ich kurz an, zog meine Regenjacke an und stiefelte einfach vor mich hin. Erst nach insgesamt 110 Kilometern bekam ich wieder Gesellschaft in Form einer Gruppe. Ich war richtig froh um den Windschatten, denn meine Beine spürte ich nun schon ziemlich.

Der Colle S’Eusebio, der letzte Anstieg des Tages, zeigte sich aber als gnädig, so dass ich mich weiterhin in meiner Gruppe halten konnte und in der Abfahrt bereits mit einer Platzierung unter den besten 100 liebäugelte. Zehn Kilometer vor dem Ziel wusste ich allerdings, dass daraus wohl nichts wird: In einer Kurve ging mir das Hinterrad weg und ein Blick nach unten erklärte schnell, warum: Ich hatte mir einen Schleicher eingefangen und mein Reifen verlor beständig an Luft. So kurz vor dem Ziel wollte ich aber auch nicht wechseln, also eierte ich vorsichtig weiter – meine Gruppe konnte ich natürlich nicht halten.
Ich hatte dennoch Glück im Unglück: Mein Reifen hielt einigermaßen, so dass ich keine Flickpause einlegen musste und mit ca. zwei Bar auf die Ziellinie einbog – immerhin noch als 127. Mein Rückstand auf den Sieger Alessandro Bertuola betrug zwar stolze 41 Minuten, was in Anbetracht seiner langjährigen Profikarriere (unter anderem hatte der 32-Jährige schon an der Lombardeirundfahrt teilgenommen), meines Plattfußes und des schwierigen Mittelteils mit der langen Alleinfahrt zu verkraften ist. Das ist ämlich auch eine Facette der Granfondos: Die Top Ten machen ständig aktive oder ehemalige Berufsrennfahrer unter sich aus. Mit Bennie erreichte der nächste Concordianer 18 Minuten nach mir das Ziel.



