Was macht der Watzmann in der Nacht?

Der bisher ungewöhnlich sonnige Herbst schrie ja geradezu danach, die Berge unsicher zu machen. Ich nutzte die Wärme dabei oft genug aus, um meine neue Heimat, das Berchtesgadener Land, zu erkunden. Das Highlight war dabei sicherich die Tour auf das Hocheck des Watzmannmassivs am vergangenen Wochenende. War ich zuvor schon öfter zum Watzmannhaus (1.930 m) gelaufen, startete ich am Samstag zusammen mit meinem Kollegen Rene Ruzmarinovic in Richtung Gipfel (2.651 m).

Als wir an der Wimbachbrücke (634 m) los stapften, wollten wir keinen Streckenrekord aufstellen sondern eine chillige Tour unternehmen. Dennoch kamen wir recht zügig voran und waren bereits nach 1:45 h am Watzmannhaus. Das lag wahrscheinlich an der Kälte, hatte das Thermometer unten doch noch minus zwei Grad angezeigt. Oben kam Gott-sei-Dank die Sonne raus und der Tag versorgte uns mit bestem Bergwetter.

Nach einer kurzen Pause am Watzmannhaus wurde es dann technisch anspruchsvoller. Das lag nicht nur daran, dass man sich ab hier durch das Geröllfeld der Bergflanke kämpfen musste, sondern vor allem an der Kälte. Da der Aufstieg zum Hocheck auf der Schattenseite des Berges liegt, waren ab 2.200 m die meisten Felsen mit Reif und Eis überzogen. Später kamen noch einige Schneefelder hinzu, so dass wir uns lieber etwas Zeit ließen, als irgendeinen Schmarrn zu riskieren. Das sahen wohl auch viele anderen so, denn bis auf zwei Österreicher und drei Tschechen trafen wir auf diesem Abschnitt den ganzen Tag über keine Menschenseele. Dementsprechend schön und ruhig war es auch am Gipfel, den wir schließlich nach fast 3:30 h erreichten. Was für eine geniale Aussicht!

Eine saubere Brotzeit und das obligatorische Gipfelfoto später machten wir uns schließlich wieder an den Abstieg, der sich schwieriger als der Aufstieg erweisen sollte: Alles was zuvor noch weicher Schnee war, war nun hart und eisig gefroren – da half auch das gute Profil unserer Salomon-Laufschuhe nicht mehr viel. Teilweise rutschend oder auf allen Vieren ging es weiter – aber eine Gaudi hatten wir trotzdem! :D

Wenn ihr euch jetzt noch wegen der Überschrift wundert … da wir uns mit der Winterzeit etwas verschätzt hatten, kamen wir beim Abstieg sogar noch in die Nacht hinein. Und so haben wir auch die Antwort auf die Frage gefunden: Der Watzmann singt, der Watzmann lacht! ;-)

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