Vierter beim Giro delle Dolomiti – die K3-Gazelle ist zurück!

Nach meinem Stockerplatz 2007 belegte ich dieses Mal beim Giro delle Dolomiti Rang vier. Gerade wegen meiner beiden krankheitsbedingt verkorksten vergangenen Jahre ist dieses Ergebnis für mich ein ganz besonderes. Bei der Siegerehrung stand ich erneut neben Zelger Alex, Raffeiner Philipp & Co. A echt gschmeidige Gschicht! :-)

Knapp 20 Fahrer vom RC Concordia 86 München, dem TSV Perchting und der BMW Radsportgruppe waren beim Giro mit von der Partie. Ich freute mich deshalb schon riesig auf die Woche mit den bekannten Gesichtern. Auch Wolfgang Sacher begin_of_the_skype_highlighting     end_of_the_skype_highlighting, Paralympics-Sieger 2008, nahm an der Etappenfahrt teil. Mit ihm teilte ich mir das Zimmer.

1. Etappe

Natürlich wusste ich im Vorfeld nicht genau wo ich stehe. Zwar lief die Bayerische Bergmeisterschaft gut, aber beim Aufstiegsrennen am Stilfser Joch hatte ich bei ähnlicher Konkurrenz doch eine ganz schöne Peitsche kassiert. Die erste Etappe am Jauffenpass sollte da direkt ein echter Gradmesser werden. 1.400 Höhenmeter und 20 Kilometer Kletterei. Dazu noch eine verdammt starke Konkurrenz: Zelger Alex, Hoffmann Wolfgang, Anderlini Giuliano, Raffeiner Philipp, Rizzi Edi, und und und. Hardcore :-)

Für den Start der Zeitmessung suchte ich mir das Hinterrad vonSportler-Fahrer Edi Rizzi. Er fuhr allerdings ein so hohes Tempo, dass ich schon nach vier Kilometern reißen lassen musste. Ich hatte einen schlechten Tag erwischt, das merkte ich bald. Edi zog davon, wenig später auch die nächste Gruppe. Immer weiter wurde ich nach hinten durchgereicht. Spaß machte das nicht. Kein Rhytmus, kein Flow. Nur Quälerei. Erst als 45. erreichte ich die Passhöhe am Jauffen. Meine schlechteste Giro-Etappenplatzierung seit 2006. Was für ein bescheidener Auftakt. :-(

Eine wirkliche Erklärung für diesen Einbruch habe ich nicht. Eventuell beruflicher Stress, der mich in den Giro begleitete oder auch die vier großen Kuchenstücke am Vorabend? No idea! Meinen Frust spülte ich am Abend mit einem großen Glas Vino Rosso hinunter …

2. Etappe

Für die zweite Etappe hatte ich mir Wiedergutmachung vorgenommen. Den Passo Duran kannte ich zwar nicht, aber ich wollte zumindest versuchen, etwas weiter vorne als am Vortag zu landen. Direkt an dritter Position begann ich den Climb. Zwar wurde ich schnell von den Favoriten um Zelger Alex & Co. überholt, aber in der nachfolgenden Gruppe um den schnellen Senioren Alois Vigl konnte ich mich festsetzen. In der Mitte des Berges löste ich mich sogar von meinen Begleitern und machte mich daran nach vorne aufzuholen.

Kurz vor dem Ziel wird der Duran flacher – das kam mir entgegen. Auf dem großen Blatt – begleitet vom offiziellen Kamera-Fahrzeug – holte ich noch zwei vor mir gestartete Athleten ein. Viel länger hätte der Anstieg aber nicht sein dürfen, völlig ausgepumpt erreichte ich das Ziel. Dort war meine Freude groß: Mit Platz elf hatte ich gezeigt, dass meine Leistung vom Vortag wirklich nur ein Ausrutscher war! In der Gesamtwertung kletterte ich auf Rang 25, in meiner Altersklasse belegte ich nun den fünften Rang. Yes! :-)

3. Etappe

Auf den dritten Abschnitt hatte ich mich schon vor dem Giro gefreut: die Gardeccia-Hütte. Ein verdammt steiler Anstieg mit Spitzen bis zu 20 Prozent. Auf sechs Kilometern überwindet man hier mehr als 600 Höhenmeter – und das mit einem Flachstück in der Mitte! Bevor das Rennen allerdings begann, galt es noch den Lugano-Pass zu bewältigen. Dieser flache, aber lange Rollerberg war mit knapp 1.000 Höhenmetern nicht zu verachten. Ich hielt mich problemlos in der 25-köpfigen Spitzengruppe.

Den Anstieg zur Gardeccia begann ich am Hinterrad von Wolfgang Hoffmann, einem der stärksten bayerischen Bergfahrer überhaupt. Lange konnte ich es zwar nicht halten, aber dennoch behielt ich ihn immer im Blick. Auch dass mich nach einem Kilometer noch kein anderer Favorit überholt hatte, machte mir Mut. Als Alex Zelger mit seinen Verfolgern von hinten heran rollte, überholte er mich vorerst auch nicht sondern blieb an meinem Hinterrad. Bestimmt zwei, drei Minuten machte ich die Führungsarbeit – ein gutes Gefühl.

Auch das mittlere Flachstück sowie den folgenden ansteigenden Teil fuhr ich zusammen mit der Spitze. Erst zweieinhalb Kilometer vor dem Ziel musste ich mein eigenes Tempo fahren. Gemeinsam mit Edi Rizzi und Philipp Raffeiner kämpfte ich mich nun die steilen Rampen hinauf. Philipp bekam bald kleinere Probleme und musste reißen lassen. Für mich wiederum war Edi zu stark. Nachdem ich ihn am letzten Kilometer ziehen lassen musste, war ich definitiv am Limit und zählte jeden Meter hinunter. Philipp hinter mir litt nicht weniger. Als Zehnter erreichte ich schließlich völlig ausgepumpt aber echt glücklich das Ziel. Ich hatte meinen Aufwärtstrend fortgesetzt!

4. Etappe

Den Glücksgefühlen der dritten Etappe folgte ein verdammt tiefes Tief. Am Ruhetag erwischte mich ein kleiner Infekt. Mit Kopfweh und verschleimtem Rachen verbrachte ich den Tag. Meine Lust auf die Königsetappe über die Sellaronda war deshalb begrenzt. Noch dazu als am Morgen dicke Regentropfen gegen die Fensterscheibe prasselten. 150 Kilometer bei dem Wetter durch die Dolomiten – no chance. Am Start erfuhren wir schließlich, dass die Etappe verkürzt und statt des Pordoijochs der Anstieg nach Mölten gewertet werden sollte.

Dennoch war ich sehr lustlos, als sich das Feld in Bewegung setzte. Immer noch plagten michKopfschmerzen und bei so einem Sauwetter hatte ich doch ziemliche Angst, richtig krank zu werden. Wenigstens kannte ich den Anstieg nach Mölten aus zahlreichen Trainingsfahrten in und auswendig. Das sollte mir im Rennen entgegen kommen. Zwar hatte ich, geschwächt wie ich war, wie erwartet keine Chance gegen Raffeiner Philipp und Co. – aber mit Rang 13 erreichte ich dennoch eine gute Platzierung.

Diese hätte sogar noch besser ausfallen können: Kurz vor dem Ziel fiel mit beim Schalten die Kette herunter, so dass ich absteigen und diese erst einmal wieder auf das Kettenblatt pfrimeln musste. Die schlechte Kopie von Andy Schlecks Missgeschick bei der diesjährigen Tour de France. Gut 30 Sekunden und damit einen möglichen neunten Platz im Tagesranking kostete mich der Fehler. Mit meiner Endzeit von 33:56 Minuten war ich übrigens 44 Sekunden langsamer als 2007 auf der gleichen Strecke. Allerdings war es damals die erste Etappe, es hatte das schönste Wetter, ich verschaltete mich nicht und war kerngesund. Das zeigt: Meine Form war dieses Mal sogar einen Tick besser als damals – die Konkurrenz war einfach wesentlich härter geworden.

5. Etappe

Als am fünften Tag um halb sechs Uhr in der Früh wie gewohnt der Wecker klingelte, war das Wetter immer noch bescheiden. Zwar hatte der Regen aufgehört – aber in der Nacht hatte es bis auf 1.900 Meter geschneit und selbst im tief gelegenen Terlan war es bitterkalt. Perfekte Bedingungen für ein Race auf’s Stilfser Joch … verdammte Ironie! ;-) Die Organisatoren des Giro sahen das ähnlich: Die Minusgrade auf der Passhöhe wollten sie niemandem antun, so dass sie das Rennen nur bis zur Franzenshöhe veranstalteten. Damit hielt der gekürzte Stelvio aber immer noch mehr als 1.250 Höhenmeter für uns bereit.

Nach meinem Debakel beim Aufstiegsrennen drei Wochen zuvor, hatte ich mich richtig auf das Stilfser Joch gefreut. Dementsprechend motiviert war ich, als ich gemeinsam mit Wolfgang Sacher und Kurt Lallinger nach Prad fuhr. Im Rennen selbst fuhr ich von Anfang an auf Attacke. Gemeinsam mit dem Altmeister Giuliano Anderlini konnte ich mich sogar etwas vom Feld lösen. Allerdings musste ich ihn nach vier Kilometern ziehen lassen.

Im Folgenden fand ich mich in einer Gruppe mit Stefano Cassasa, Edi Rizzi, Philipp Raffeiner, Gabriele Depaul und Matthias Mayr wieder. Diese blieb bis hinter Trafoi zusammen. Erst als Philipp das Tempo verschärfte, flog sie auseinander. Ich konnte ihm nicht folgen – dennoch ging es jetzt um Platz sechs im Tagesklassement. Eine top Perspektive! Dieses mögliche gute Ergebnis beflügelte mich etwas zu sehr, so dass ich, als ich mich vier Kilometer vor dem Ziel versuchte, von Cassasa und Depaul zu lösen, über meinen Verhältnisssen lebte.

Die Quittung dafür kassierte ich zwei Kilometer vor dem Ziel. Ich verlor den Anschluss und eine Sekunde nach der anderen. Der mich einholende Matthias Mayr hatte Mitleid mit mir. Da er nichts mehr mit dem Ausgang der Gesamtwertung zu tun hatte, blieb er bei mir und motivierte mich auf den letzten Metern. Eine tolle, sportliche Geste! Fetten Respekt! :-) Trotz Einbruch belegte ich schließlich den neunten Rang – mein bester Tag! In der Gesamtwertung belegte ich nun Rang elf. In meiner Altersklasse hatte ich Platz vier gefestigt.

6. Etappe

Die letzte Etappe hinauf nach Bellavista war zu kurz, um noch etwas nach vorne gutzumachen. Das wusste ich bereits im Vorfeld. Dennoch wollte ich nochmal ein gutes Tagesergebnis einfahren. Mein Rad bestückte ich extra mit neuen Easton-Carbonlaufrädern und mich selbst steckte ich in einen Zeitfahranzug. So ausgestattet schoss ich in die ersten Kehren des Mendelpass.

Sehr bald holten mich Alexander Zelger und Stefano Cassasa ein. An ihre Hinterräder klemmte ich mich im Folgenden. Und das gelang mir gut. Erst 500 Meter vor dem Ziel musste ich Alex ziehen lassen. Da auch Stefano leichte Probleme hatte, ging es um Platz drei. Ganz vorne fuhr Wolfgang Hoffmann als Solist seinem zweiten Tagessieg entgegen. 100 Meter vor dem Ziel sprintete Cassasa allerdings wieder an mir vorbei, so dass ich als vierter das Ziel erreichte. Im Tagesklassement musste ich auch noch dem Gesamt-Zweiten Muraro und Philipp Raffeiner den Vortritt lassen. Beide waren hinter mir ins Rennen gegangen und hatten so eine bessere Netto-Zeit. Dennoch war ich verdammt happy: Mit Platz sechs hatte ich mein bestes Tages-Ergebnis des ganzen Giros eingefahren.

Bei der Siegerehrung in Bozen durfte ich mich letztendlich über den vierten Platz in der Gesamtwertung freuen. Ein für mich sehr erfreuliches Ergebnis. Drei Jahre nach meinem Stockerplatz hatte ich dieses Jahr bei wesentlich stärkerer Konkurrenz meine damalige Leistung bestätigt und meiner Meinung nach diese auch getoppt. Das wird vor allem klar, wenn man sich die Steigungsraten und Leistungsdaten der einzelnen Etappen anschaut. Nun werde ich erst einmal wieder etwas rausnehmen und mich im Folgenden auf meine restlichen Jahreshöhepunkte konzentrieren! :-)

Ergebnisse:

Leistung:

EtappeOrtDistanzHöhenmeterZeitAufstiegsrateLeistungLeistung
1. EtappeJauffenpass19,1 km1.391 m1:09:48 h1.195 m/h296 W4,5 w/kg
2. EtappePasso Duran11,1 km889 m40:36 min1.313 m/h320 W4,8 w/kg
3. EtappeGardeccia6,0 km572 m24:16 min1.414 m/h334 W5,0 w/kg
4. EtappeMölten9,0 km790 m33:58 min1.395 m/h338 W5,1 w/kg
5. EtappeStilfser Joch17,5 km1.253 m57:09 min1.315 m/h329 W5,0 w/kg
6. EtappeBellavista4,2 km250 m9:46 min1.535 m/h450 W6,8 w/kg

Vergleich RC Concordia:

Pos.AtletaAnnoCat.Naz.Tappa1Tappa2Tappa3Tappa4Tappa5Tappa6Totale
1ZELGER ALEXANDER1980AITA0:57:44.550:36:59.250:22:16.200:29:55.250:53:14.800:09:29.953:29:40.00
11MÜLLER-SCHELL WERNER1987AGER1:09:48.200:40:36.900:24:16.950:33:58.150:57:09.350:09:46.003:55:35.55
70GLATTHAAR GERD1966DGER1:17:31.450:47:21.400:27:31.100:38:40.601:04:42.250:11:14.954:27:01.75
90KROLL SEBASTIAN1967DGER1:15:55.000:47:20.600:29:51.300:38:11.601:09:32.050:12:16.604:33:07.15
97CARDA FLORIAN1981AGER1:16:31.200:49:19.500:29:33.550:39:55.751:08:18.300:11:06.204:34:44.50
139INGENWEYEN MICHAEL1959EGER1:19:15.000:51:14.800:31:38.450:42:24.201:11:34.800:12:30.904:48:38.15
147SACHER WOLFGANG1966DGER1:15:53.900:48:25.200:26:54.250:42:23.751:24:36.900:11:34.604:49:48.60
151MOSER ANDREAS1968CGER1:23:23.850:51:11.750:30:42.650:40:40.751:12:10.000:12:40.354:50:49.35
174MAGRINI ROMEO1946FGER1:19:46.400:52:59.050:32:50.900:43:58.401:14:11.650:13:02.654:56:49.05
186SCHMIDT RUPERT1958EGER1:20:27.750:51:59.600:33:48.400:44:11.351:16:05.050:13:45.905:00:18.05
189LALLINGER KURT1958EGER1:23:24.700:53:57.800:32:28.200:42:04.251:15:19.750:13:32.905:00:47.60
237WEBER FLORIAN1974BGER1:29:52.800:55:20.700:33:43.400:45:25.151:15:41.800:12:18.805:12:22.65
240POUWELS MELANIE1978W1GER1:26:26.100:57:04.250:34:58.350:44:36.201:16:12.650:13:14.455:12:32.00
273MARX THOMAS1958EGER1:23:07.750:54:28.400:34:15.600:59:01.001:19:16.300:13:36.905:23:45.95

Fotos:


1. Etappe

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5. Etappe

6. Etappe

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