Buch-Tipp

Joseba fliegt vom Hahntenjoch

Nach den guten Beinen gegen Ende der Tour Transalp hatte ich im Vorfeld eigentlich große Ambitionen für das Bergrennen über’s Hahntenjoch ins Tannheimer Tal. Diese begrub ich allerdings schon Mitte der Woche. Nach der Transalp war mein Immunsystem derart im Keller, dass ich mir – Klimaanlagen sei dank – promt einen Husten einfing. Am Freitag versuchte ich diesen mit guter alter Tequila- und Baileys-Medizin zu bekämpfen. Erfolgreich. Am Sonntag stand ich fast gesund am Start in Imst – allerdings noch mit ziemlicher Übelkeit :P

Gerade einmal 35 Starter gingen auf die 63 Kilometer lange Strecke. Gemeinsam mit Chris Leiter, mit dem ich in seinem genialen Bus bereits die Nacht in Imst verbracht hatte, begann ich das Rennen. Wir beide merkten allerdings schnell, dass es unser Tag nicht werden sollte. Ich hatte mehr mit meinem Magen zu kämpfen als mit den Steigungsprozenten und Chris ging es auch nicht gut.

Er fand trotzdem den Anschluss an die Gruppe um Platz vier. Ich fiel dagegen zurück. Erst in der Mitte des Berges fand ich wieder einen Rhytmus und schloss zu Chris auf. Er war mittlerweile auch zurückgefallen und wartete. Auf Platz sieben und acht liegend stürzten wir uns gemeinsam in die rasende Abfahrt vom Hahntenjoch.

Ich wollte hier natürlich wieder Boden nach vorne gutmachen, doch in einer Rechtskurve ging ich es zu ambitioniert an:  Ich versteuerte mich und aufgrund eines entgegenkommenden Fahrzeugs erwischte ich die folgende Linkskehrenicht so wie geplant. Mit blockierendem Hinterrad fuhr ich wie damals Joseba Beloki bei der Tour 2002 nur mehr geradeaus. Zum Stillstand kam ich letzlich durch den Kieswall am Straßenrand. Mein Rad blieb liegen und ich segelte kopfüber nach vorne.

Chris blieb sofort stehen und auch ein anderer Radler erkundigte sich nach meinem Befinden. Ich war erstmal richtig “shocked”, war es doch mein erster ernsthafter Sturz in diesem Jahr. Gebrochen schien aber nichts, so dass ich mich direkt entschloss, weiterzufahren. Während ich mich sammelte, flickte Chris mein beim Sturz geplatztes Hinterrad und nach zehn bis 15 Minuten gings auch wieder weiter.

“Joseba” fuhr die restliche Abfahrt aber wie eine Oma. Erst auf der Ebene drückte ich wieder. Und gemeinsam mit Chris rollte ich das Feld von hinten auf. Am Gegenanstieg nach Tannheim konnte ich dann wieder etwas an Chris zurückgeben. Da seine Kräfte spürbar nachließen, zog ich ihn bis ins Ziel in Tannheim. Gemeinsam überquerten wir auf Rang zehn das Ziel – fast 30 Minuten hinter dem Sieger Daniel Federspiel. In Anbetracht des Sturzes und der Folgen ein erträglicher Rückstand.

Naja. Alles in allem wäre das Podium für uns beide drin gewesen. Aber es hilft ja nix. So ist der Radsport. Auf jeden Fall noch einmal vielen Dank an Chris für’s Warten und die Hilfe danach. Das hat absolut den Fairplay-Preis verdient!!!

Ergänzung: Die Folgen des Sturzes sind zahlreiche Pizzas an Rücken, Hintern, Schulter und Bein, die langsam blau werden. Dazu eine Rippenprellung links, das selbe im Schulterbereich auf der gleichen Seite und ein Schleudertrauma. Und vom Material her ein paar Lackschäden am Rahmen sowie ein verbogener Ergo-Hebel. Es hätte echt mehr passieren können!

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Eine Antwort auf Joseba fliegt vom Hahntenjoch

  • Erich sagt:

    Gott sei Dank KEIN Beloki!
    Beim Giro geht es nur bergauf um Ruhm und Ehre! Besser für Dich! :-)

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