Buch-Tipp

Sieg bei der T-Mobile Mountain Challenge

Nach dem erfolgreichen Rennen am Küthai vor zwei Tagen blieb ich gemeinsam mit Bernd Reindl vom RC Concordia 1986 München gleich in Österreich. Wir suchten uns am Sonntag Abend eine gemütliche Pension in Sölden, in der wir bis Mittwoch blieben. Sölden war der Startort der 3. T-Mobile Mountain Challenge, einem Bergzeitfahren im Rahmen der Deutschland-Tour für Jedermann auf den Rettenbachferner. Die Teilnehmer hatten dabei den wohl schwierigsten Anstieg der UCI Pro Tour zurückzulegen. 12,6 Kilometer schlängelt sich die Straße mit mehr als 1.300 Höhenmetern bergauf. Einzig ein kurzes Flachstück in der Mitte sorgt für ein bischen Erholung. Ansonsten bewegt sich die Steigung immer im zweistelligen Bereich.

Pünktlich um zehn Uhr wurden den fast 250 Starter auf die nasse Strecke geschickt. Ich ging ca. an Position 30 auf die gestoppte Strecke. Da ich keinen einzigen der anderen kannte, konnte ich mir auch kein geeignetes Hinterrad suchen. Somit fuhr ich mein eigenes Bergzeitfahren. “Hinterrad lutschen”, wie ich es beispielsweise bei der Giro-Etappe am Passo Pordoi gemacht habe, war bei der enormen Steigung eh nicht möglich.

Auf den ersten zwei Kilometern überholte ich ständig andere Teilnehmer. Nur drei schnellere Fahrer zogen an mir vorbei. Es waren die späteren Podiumsbesucher, wie sich im Nachhinein herausstellte. Ein Hobbyradler am Straßenrand rief mir bei Kilometer drei meine aktuelle Platzierung zu. Anscheinend lag ich im Moment an achter Stelle im Rennen. Kein weiterer Fahrer hatte mich überholt, als ich die flache Strecke an der Mautstation erreichte. Den erhaltenen Schwung nahm ich direkt mit in die nächste Steilpassage und konnte dadurch den Abstand zu einer vor mir fahrenden Dreiergruppe deutlich veringern. Bei Kilometer acht hatte ich sie eingeholt. Kurze Zeit später lies ich die drei Konkurrenten stehen und setzte mich ab. Meine fünfte Position gab ich jetzt nicht mehr ab. Zwei Kilometer vor dem Ziel hatte ich bereits ein sicheres Polster von 30 Sekunden nach hinten. Langsam mehrten sich auch die Zuschauer am Streckenrand. ALs ich den letzten Kilometer erreichte, sah ich auf meiner Uhr die Zeit von 55:20 Minuten. Unter einer Stunde wollte ich bleiben. Das würde sehr knapp werden. Angetrieben von den jetzt zahlreichen Zuschauern, dem Wissen um meine sehr gute Platzierung und einem in diesem Moment aufkommenden Glücksgefühl gab ich jetzt mehr als 100 Prozent. Mit Tränen in den Augen wuchtete ich mich die letzten Steigungen auf dem großen Kettenblatt hinauf. 300 Meter vor dem Ziel war ich kaputt. An der letzten Rampe stand ich fast, prüfte sogar meine Reifen nach einem Platten. Irgendwie rollte ich noch ins Ziel. Als Fünfter. 40 Sekunden vor dem Nächsten. Das wunderschöne Gletscherpanorama bekam ich erst etwas später mit.

Die vor mir platzierten Fahrer waren alle ein oder zwei Nummern stärker gewesen. Ohne die beiden intensiven Tage zuvor hätte ich vielleicht zwei Minuten schneller sein können. Die Auswertung bestätigte dies. Ich kam weder an meine Steigungsrate, noch an meine Leistung vom Küthairennen oder Giro delle Dolomiti hin. Trotzdem hätte meine Zeit zum 85. Platz im Feld der am Nachmittag fahrenden Profis gereicht. Allerdings fuhren die davor eine 150 Kilometer lange Etappe.

Bernd kam auf dem 60. Rang ins Ziel und zeigte damit eine super Leistung. Im Ziel trafen wir auch auf Florian Berehns, der im Trainingslager in Cilento dabei war und auf einem starken 31. Platz über den Zielstrich fuhr. Eine Leistung, die ihm wohl viele nicht zugetraut hatten. Mit ihm lieferte ich mir später ein ungleiches Duell am Gerolsteiner-Stand: auf einem Simulator fuhren wir gegeneinander ein 1000m-Zeitfahren. Er ohne Lenkung, ich mit. Leider war das Rad mit Lenkung so schlecht zu steuern, dass ich drei Mal gegen die virtuelle Mauer und damit vorbei an allen Siegchancen fuhr.

Nachtrag: Nachdem ein vor mir platzierter Fahrer disqualifiziert wurde (leider weiß ich den Grund nicht, rückte ich im Ergebnis auf Platz vier vor. Gleichzeitig bedeutet dies, dass ich mich zumindest auf dem Papier der Gesamtsieger der Altersklasse 19-29 der T-Mobile Mountain Challenge 2007 wurde.

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